#32: Altersvorsorgedepot 2027: ETFs, Förderung, Kosten und Chancen
Die private Altersvorsorge in Deutschland erfährt mit dem Altersvorsorgedepot die größte Reform seit 2001. Ab dem 1. Januar 2027 verspricht das Altersvorsorgedepot staatliche Zulagen zu einer Geldanlage in Aktien und ETFs. Was steckt dahinter?
Wie funktioniert die Förderung? Welche Rolle spielen ETFs? Wo liegen auch die Grenzen des Altersvorsorgedepots? Darum geht es in diesem Beitrag.

Warum wird die private Altersvorsorge reformiert?
Die bisherige Riester-Rente hat über die Jahre viel Kritik erfahren. Insbesondere die hohen Kosten vieler Verträge und der Zwang, das angesparte Kapital grundsätzlich in eine lebenslange Rentenzahlung zu überführen, haben dafür gesorgt, dass viele Sparer faktisch weniger Geld rausbekommen haben, als sie eingezahlt haben.
Mit der Reform soll die private Altersvorsorge einfacher, kostengünstiger und stärker auf die langfristigen Renditechancen des Kapitalmarkts ausgerichtet werden. Gleichzeitig bleibt die staatliche Förderung erhalten.
Was ist ein Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich geförderter Vertrag, bei dem das angesparte Kapital in dafür zugelassene Kapitalanlagen investiert werden kann. Dazu gehören insbesondere Fonds und ETFs.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Vorsorgeprodukten: Ein Altersvorsorgedepot muss keine Beitragsgarantie bieten.
Dadurch kann ein größerer Teil des Kapitals langfristig am Aktienmarkt investiert werden. Das erhöht die Renditechancen – allerdings auch die Schwankungen und das Risiko von Verlusten.
Das Geld bleibt dabei grundsätzlich für die Altersvorsorge gebunden. Die Reform schafft also kein gewöhnliches, jederzeit frei verfügbares Wertpapierdepot, sondern eine steuerlich geförderte Form der langfristigen Altersvorsorge.
Wie hoch ist die staatliche Förderung?
Die Förderung wird künftig einfacher berechnet und richtet sich unmittelbar nach dem eigenen Sparbeitrag: Für die ersten 360 Euro Eigenbeitrag pro Jahr gibt es 50 Cent staatliche Zulage je eingezahltem Euro. Für die nächsten 1.440 Euro sind es 25 Cent je Euro.
Wer also 150 Euro im Monat, also 1.800 Euro im Jahr, einzahlt, erhält die maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Für Kinder kommt eine zusätzliche Förderung hinzu: Pro Kind gibt bis zu 300 Euro jährlich.
Auch die steuerliche Förderung bleibt grundsätzlich erhalten: Beiträge und Zulagen können als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Das Finanzamt prüft anschließend, ob sich daraus über die Zulagen hinaus ein zusätzlicher Steuervorteil ergibt.
Ein einfaches Beispiel
Ein 25-Jähriger zahlt monatlich 150 Euro in sein Altersvorsorgedepot.
Eigener Beitrag: 1.800 Euro pro Jahr
Grundzulage: 540 Euro pro Jahr
Gesamt: 2.340 Euro pro Jahr
Damit fließen 30 Prozent mehr Geld in die Altersvorsorge, als der Anleger selbst einzahlt – noch bevor die Kapitalanlage überhaupt eine Rendite erwirtschaftet.
Genau darin liegt für viele junge Sparer der besondere Reiz des neuen Modells.
Altersvorsorgedepot oder Garantie?
Nicht jeder möchte sein Altersvorsorgevermögen vollständig den Schwankungen der Börse aussetzen. Deshalb gibt es auch künftig verschiedene Möglichkeiten.
Altersvorsorgedepot ohne Garantie
Hier kann langfristig stärker in Aktien und andere Kapitalmarktanlagen investiert werden.
Vorteile:
höhere langfristige Renditechancen
ETFs und Fonds als Anlage möglich
keine starre Beitragsgarantie
Nachteile:
zwischenzeitliche Kursverluste möglich
keine Garantie, dass die eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn vollständig erhalten sind
Garantieprodukt
Wer mehr Sicherheit möchte, kann stattdessen ein Produkt mit einer Garantie wählen. Vorgesehen sind künftig Garantien von 80 oder 100 Prozent der eingezahlten Beiträge.
Eine höhere Garantie bedeutet allerdings auch, dass ein größerer Teil des Geldes sicherheitsorientiert angelegt werden muss. Dadurch sinken die langfristigen Renditechancen.
Insbesondere für junge Anlegende, die genügend Zeit haben, Schwankungen an der Börse auszusitzen, empfiehlt sich also eher das Altersvorsorgedepot ohne Garantie. Für schon etwas ältere Anleger, die eventuell sogar größere Guthaben von bestehenden Riester-Verträgen in das Altersvorsorgedepot übertragen, kann aber auch das Garantieprodukt in Betracht gezogen werden.
Was ist das Standarddepot?
Für Menschen, die sich nicht selbst mit der Auswahl und Gewichtung von ETFs und Fonds beschäftigen möchten, soll es ein standardisiertes Altersvorsorgeprodukt geben.
Das Standarddepot arbeitet mit vorgegebenen Anlagestrategien und nimmt dem Anleger viele Entscheidungen ab. Die Kosten sind dabei gesetzlich begrenzt: Die durchschnittliche jährliche Renditeminderung durch Kosten darf beim Standardprodukt maximal 1 Prozent betragen.
Allerdings hat sich im Wettbewerb der verschiedenen Anbieter bereits ein Preiskampf abgezeichnet, sodass auch die Individualdepots zu extrem günstigen Konditionen auf den Markt kommen - teils gänzlich kostenfrei in den ersten zwei Jahren. Ein Anbieter verspricht sogar, die Produktkosten der eingesetzten Fonds zurückzuerstatten.
Neobroker oder klassische Anbieter?
Das Altersvorsorgedepot hat bereits vor seinem Start für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem Neobroker haben das Thema früh aufgegriffen und mit einfachen ETF-Lösungen um Kunden geworben. Mittlerweile beschäftigen sich auch klassische Banken, Versicherer und Finanzvertriebe intensiv damit (teils aus Angst vor Stornierung von verkauften Riesterverträgen).
Für Anleger wird deshalb künftig weniger die Frage entscheidend sein, ob es ein Altersvorsorgedepot gibt, sondern welches man auswählt.
Wichtige Kriterien sind beispielsweise:
Kosten
Auswahl an ETFs und Fonds
Anlagestrategie
Flexibilität
Garantien
Möglichkeiten für einen Anbieterwechsel
Auszahlungsbedingungen
Qualität und Transparenz des Anbieters
Die staatliche Förderung macht ein Produkt schließlich nicht automatisch zu einem guten Produkt.
Für wen kann sich ein Altersvorsorgedepot besonders lohnen?
Besonders interessant erscheint das Modell für Menschen, die noch einen langen Anlagehorizont haben und ohnehin regelmäßig Geld für das Alter zurücklegen möchten.
Das gilt insbesondere für:
Junge Anleger:
Wer noch 30 oder 40 Jahre bis zum Ruhestand hat, kann Kursschwankungen langfristig besser aussitzen und vom Zinseszinseffekt profitieren.
Menschen mit kleineren und mittleren Sparbeiträgen:
Gerade bei relativ kleinen Eigenbeiträgen fällt die staatliche Förderung prozentual stark ins Gewicht.
Familien mit Kindern:
Die zusätzliche Kinderzulage kann die Attraktivität deutlich erhöhen.
Menschen, die ohnehin ETF-Sparer sind:
Wer bereits heute regelmäßig in einen breit gestreuten ETF investiert, sollte prüfen, ob ein gefördertes Altersvorsorgedepot einen Teil dieser privaten Altersvorsorge sinnvoll ergänzen kann.
Und was spricht dagegen?
Trotz der Vorteile ist das Altersvorsorgedepot kein kostenloser Bonus vom Staat. Das Kapital ist grundsätzlich für die Altersvorsorge vorgesehen und deshalb weniger flexibel als ein normales Wertpapierdepot. Beim Depot ohne Garantie trägt der Anleger zudem das volle Kapitalmarktrisiko. Hinzu kommen die jeweiligen Produktkosten und die nachgelagerte Besteuerung der Leistungen im Alter.
Vor allem aber gilt: Nicht jeder braucht ein Altersvorsorgedepot.
Wer bereits über eine sehr umfangreiche Altersvorsorge verfügt, kurz vor dem Ruhestand steht oder besonders viel Wert auf frei verfügbares Kapital legt, kann zu einer anderen Lösung kommen.
Unser Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist definitiv eine gelungene Reform, die Verbrauchern mehr Chancen bietet als bislang. Nicht ohne Grund haben sich viele Anleger komplett gegen geförderte Produkte entschieden, sondern für einfache ETF-Sparpläne beim Neobroker des Vertrauens.
Mit dem Altersvorsorgereform bietet man diesen Menschen auf jeden Fall eine attraktive Lösung. Auch bisherige Riester-Sparer, die merken, dass sich ihre Verträge bislang einfach kaum lohnten, dürfen ihr Kapital nun befreien und in ein in der Regel deutlich besseres Alternativprodukt umdecken.
Die Förderung kann gerade bei jungen Anlegern und Familien einen erheblichen Unterschied machen. Trotzdem sollte man nicht nur auf die Zulage schauen. Entscheidend sind auch Kosten, Anlagestrategie, Flexibilität und die persönliche finanzielle Situation.
Denn ein Altersvorsorgedepot ist ein Baustein der Altersvorsorge – aber noch kein vollständiges Altersvorsorgekonzept.
Wer wissen möchte, wie viel Vermögen er tatsächlich für den Ruhestand benötigt, welche Rolle gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Investments spielen und wie daraus ein sinnvoller langfristiger Plan entsteht, muss einen Schritt weitergehen: von der einzelnen Anlage zu einer ordentlichen Ruhestandsplanung.
Dabei können Honorarberater helfen, aber natürlich lohnt sich auch mal eine Befragung von ChatGPT, Claude & Co.
Zum Thema Ruhestandsplanung habe ich im Blog bei der weitergedacht Anlageberatung einen umfassenden Beitrag geschrieben. Mehr >hier<.
Autor: Niklas Krämer