#21 - Unser erster Impact Report: Ein persönlicher Erfahrungsbericht (4/4)

29.03.2023

Nach der Herleitung, dem Vorgehen und dem Fazit in den letzten drei Teilen möchte ich heute abschließend die interessante Erklärung von Julius van Sambeck, dem Fondsmanager von Ethius, am Ende des letzten Blog-Beitrags bewerten: Nachhaltige Fondsmanager könnten ein Interesse daran haben, ihre teils gute Engagement-Arbeit geheim zu halten. Warum?

Weil selbst Shareholder Activism darauf angewiesen ist, Mehrheiten im Aktionariat zu gewinnen. Und möchte man hier die großen institutionellen Anleger:innen auf seine Seite gewinnen, darf man hier nicht zu laut auftreten und "mit der Tür ins Haus fallen". Julius berichtete, dass er nach dem obwohl sehr objektiven Bericht im Tagesspiegel zur Ethius-Kampagne beim deutschen Kupfer-Konzern bzgl. der Intransparenz der Lieferketten, negative Stimmungen im Aktionariat vernommen haben. Man wolle dort, dass derartige Angelegenheiten nur mit denen geklärt werden, die es betrifft (gemeint: die Aktionär:innen) - also hinter verschlossenen Türen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Damit stieß Julius mich auf das eigentliche Problem: die Vision vom alle Parteien der Gesellschaft und die Umwelt berücksichtigenden "Stakeholder Capitalism" ist noch immer eine Vision - weit entfernt von der Realität. Julius erkennt das pragmatisch an und arbeitet damit so gut er kann. Die laut Demonstrierenden seien ebenfalls wichtig, aber an anderen Stellen, ob tatsächlich demonstrierend vor dem Saal der Hauptversammlung (deren Sicherheitsausgaben aus diesem Grund übrigens von Jahr zu Jahr steigen) oder durch Kleinaktionärverbände, die zwar kein signifikantes Stimmrecht haben, wohl aber von ihrem Rede- und Fragerecht Gebrauch machen können, um auf Missstände hinzuweisen.

Aktivistische Kleinaktionärsverände im Finance 4Future-Podcast

Das habe ich zum Anlass genommen, den Dachverband kritischer Aktionäre in den Finance 4Future-Podcast einzuladen und über deren Kampagnen und die Verbindlichkeit von Engagement generell zu sprechen. Darin gehen wir auch auf die Entwicklung ein, gegen die der Dachverband aktuell am härtesten vorgeht: Virtuelle Hauptversammlungen. Das volle Interview findest du hier.

Insofern sind vielleicht(!) auch Triodos, Robeco und Nordea in Schutz zu nehmen, dass sie nicht entschiedener Engagement betreiben oder berichten. "Vielleicht" deswegen, weil ich das nach aktuell mir verfügbarer Datenlage nicht beurteilen kann. Natürlich versuche ich mich hier weiter rein zu kämpfen und für euch aufzuklären. Du, liebe Leserin, lieber Leser, kannst mich dabei unterstützen, wenn du Abonnent im Finance 4Future-Podcast wirst. Das ist wie Patreon und du unterstützt mich mit 4,99 € im Monat. Dafür versuche ich auch zusätzliche Inhalte für die Unterstützer:innen zu schaffen wie z.B. die zwei Review-Podcastfolgen von letztem Jahr. Falls das dein Budget sprengt, kannst du uns auch ganz kostenfrei supporten, indem du uns auf Spotify/ Apple Podcasts etc. mit 5☆ bewertest.

Was ist also das Fazit?

Engagement ist nicht gleich Shareholder Activism. Kann es aber vielleicht teils aus guten Gründen nicht so einfach zu sein. Eine einfach zu messende Metrik, mit der wir aktives Engagement bewerten können, ist, ob die Fondsgesellschaft sich so sehr mit den Unternehmen beschäftigt, dadurch Missstände feststellt und eigene Shareholder Proposals (SHP) auf der Hauptversammlung einreicht.

In 2022 wurde leider kein einziger SHP von unseren Fonds eingereicht. Im Falle von Ethius lag das schlicht daran, dass man wider Erwartens über deren Kapitalverwahrgesellschaft (KVG, das braucht jeder Fonds, der nicht mit voller Banklizenz seine eigene KVG sein kann) keine eigenen Beschlussvorlagen einreichen konnte. Deswegen wurde ein auf eigene Bücher laufendes Spiegel-Depot parallel zum Publikumsfonds aufgebaut, in dem aber die Haltefristen zur Einreichung eines Shareholder Proposals erst in diesem Jahr erreicht werden.

Wir haben das Management der Fonds in unseren Anlagestrategien dazu angehalten, in Zukunft mehr Wert auf SHPs zu legen. Positiv zu erwähnen ist, dass Nordea vier SHPs bei anderen Fonds eingereicht hat. Aus diesem Grund prüfe ich jetzt noch einen speziellen Engagement-Fonds von Nordea, der in Zukunft evtl. in unsere Anlagestrategien aufgenommen werden könnte.

Du siehst: wir sind dran. 2023 haben wir vor einige Kampagnen auch persönlich auf den Hauptversammlungen zu begleiten, um deren Verbindlichkeit zu prüfen und euch berichten zu können. Mit den Erfahrungen daraus wollen wir 2024 erste Konsequenzen ziehen und unsere Anlagestrategien anpassen, um wirkungseffektives nachhaltiges Fondsmanagement zu belohnen und dem Mandat unserer Anleger:innen gerecht zu werden.

Werde Teil der Reise!

Abschließend möchte ich auch dich herzlich einladen, Teil dieser Bewegung zu werden. Nur mit entsprechenden Assets under Management können wir ein Gewicht bei den Fonds und damit bei den investierten Unternehmen haben. Investiere mit uns in unsere Fonds. Ob mit Beratung oder do-it-yourself über unseren Fondsshop - wir versuchen Jedem ein sinnvolles Angebot zu bieten. 

Dass das auch finanziell eine gute Entscheidung ist, siehst du, wenn du im Fondsshop die Verläufe der Vergangenheit betrachtest. Zwar soll man niemals Investments aufgrund ihrer bisherige Wertentwicklung bewerten, doch ist es aber schön zu sehen, dass wir den MSCI World im 2022 trotz dessen höheren USA-Anteil und unserem höherem Europa-Exposure mit der Ukraine-Krise um 0,2 % outperformen konnten. Natürlich landen wir nach unserer Servicegebühr leicht darunter, allerdings bleibt auch ein deutlich geringeres Schwankungsrisiko (Volatilität) und natürlich der Fakt, dass du mit unseren Anlagestrategien eine positive Wirkung im Sinne der Nachhaltigkeit erzeugst. 

´Dein Niklas

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